Teil 13 - Im Visier: der blonde Polizist

Fadrina geht die ganze Zeit aufgeregt von einem Zimmer ins andere. Ich döse halb, halb spitze ich meine Ohren. Es klirrt leise, dann bimmelt es. Ich öffne mein linkes Auge einen Zentimeter weit und sehe, wie sie schon wieder vor der Tanne steht. Merkwürdig, eine Tanne im Haus. Soll das mein neues Klo sein? „Schön, gell?“, fragt Fadrina in meine Richtung und ich öffne auch das rechte Auge.

Sie hängt allerlei farbige Sachen an die Äste. Ich schnuppere und rieche, so fest ich kann – nichts. Also ein Futterbaum scheint das auf jeden Fall nicht zu sein. Ernüchtert lasse ich mich auf meinen Lieblingsteppich fallen und versinke wieder in einem Traum. Dabei jage ich eine rote Katze bis auf den Kirchturm hinauf, von wo sie hinunterspringt; ach was, sie scheint zu fliegen, und ich stehe auf der Turmspitze und versuche mich festzukrallen, was mehr schlecht denn recht gelingt.

Zum Glück klingelt jemand. Ich schiesse auf, sprinte und zur Tür und belle in meinen tiefsten Tönen. Wer will meiner Fadrina zu nahe kommen? Der bekommt es mit mir zu tun, jawoll! „Aus, Fippo!“, ruft Fadrina, aber ich schicke einige Belllaute hinterher, man kann nie wissen. Vielleicht stehen plötzlich wieder zwei Polizisten da und wollen mich wegbringen – nein, nein, nicht mit mir! Fadrina öffnet die Tür. Augenblicklich belle ich wieder los. Denn da steht tatsächlich ein Polizist. Der Blonde. Ich kenne ihn genau, auch wenn er heute keine Uniform trägt. So leicht lasse ich mich nicht täuschen! Fadrina ahnt wohl schon wieder nicht, dass ihr Gefahr droht. Sie plaudert ganz entspannt mit dem Kerl. Jetzt küsst sie ihn auch noch! Machen die beiden etwa gemeinsame Sache? Hat sie ihm versprochen, mich so lange zu beaufsichtigen, bis er kommt und mich in sein Polizeiauto packt? Und womöglich ins Tierheim bringt?

Ich drücke mich an die Wand und lasse ein leises Knurren ertönen. „Fippo!“ – Fadrina dreht sich zu mir um. Sofort gucke ich auf den Boden, als ob nichts wäre. Kaum wendet sie sich ihm wieder zu, knurre ich wieder. „Fippo, jetzt reichts!“ Fadrina schaut richtig böse, ich habe gar nicht gewusst, dass sie so gucken kann! Sie packt mich am Halsband und führt mich in die Stube, gleich neben die Tanne. Ich lasse mich nur widerwillig mitzerren, weil ich den Polizisten beobachten muss. Den darf ich keine Sekunde aus den Augen lassen!

Aber der Polizist kümmert sich gar nicht um mich. Er folgt uns, geht zur Tanne, greift in die Tasche und steckt dann ganz oben einen goldenen Stern auf den dünnen Stamm. Die Tanne wackelt so sehr, dass ich zur Seite springen muss. Der Polizist lacht, bis sein Bauch bebt. Jemand, der so lacht, kann gar nicht gefährlich sein, denke ich, trotte zurück auf meinen Teppich und stelle mich schlafend. Heimlich aber beobachte ich die beiden. Jetzt stecken sie Kerzen auf die Äste. Wollen sie den Baum etwa anzünden? Ich setze mich beunruhigt auf. Aber nein, sie stecken immer mehr Kerzen an, und nachher glänzende rote Kugeln. Dazwischen lachen und reden sie, nach einer Weile bringt Fadrina eine Flasche aus der Küche und zwei Gläser. Anscheinend bin ich dann eingeschlafen, denn als ich erwache, ist es schon dunkel. Neben mir schnarcht Lumpazi, sonst ist niemand in der Stube.

Ich finde alle beide in der Küche. Der Polizist schüttet gerade Futter in meinen Napf. Mir bleibt vor Überraschung der Speichel in langen Fäden hängen. Er will mich gar nicht wegbringen! Er will mich füttern! Langsam beginne ich zu verstehen, dass ich keine Angst zu haben brauche. Vielleicht ist er gar kein Polizist mehr! Fadrina nennt ihn auch nicht Polizist, sondern „Riet“.

Riet scheint auf jeden Fall nichts mit mir vorzuhaben. Ich glaube, er hat nicht einmal ein Auto dabei. Später, auf dem Sofa, streichelt er mich sogar und ich vergesse zu knurren. Lumpazi schaut verwundert aus seinen grünen Kateraugen.

Die nächsten Tage sind gemütlich. Dreimal darf ich mit Fadrina auf Postautotour. Die Leute freuen sich, mich zu sehen. Ein Junge schenkt mir sogar einen Kauknochen, zu Weihnachten, sagt er. Weihnachten ist, das habe ich herausgefunden, wenn man die Kerzen am Baum anzündet, aber nicht den Baum, und singt. Und wenn ein goldener Stern neben meinem Napf liegt. Einige Tage später ist schon wieder etwas los. Riet und Fadrina sind ständig in der Küche, und seit dem frühen Nachmittag kommt Besuch ins Haus. Solange sie mir nicht meinen Lieblingsplatz wegnehmen, ist es in Ordnung.

Schon klingelt es wieder, und diesmal höre ich ganz genau hin. Denn auf der anderen Seite der Tür ist deutlich ein Winseln zu vernehmen – eines, das ich nur zu gut kenne. Und diese Männerstimme, die kenne ich auch, und wie. Als Riet die Tür öffnet, presche ich hinaus, werfe erst Bodesurri um und renne dann direkt in Marcel hinein. „Nicht so stürmisch!“, lacht er und klopft mir auf die Brust, „Fippo, du siehst gut aus!“ Ich platze fast vor Freude über das Wiedersehen. Bodesurri und ich jagen durchs ganze Haus, fangen uns gegenseitig, bis Marcel uns unsere Lieblingsleckerli zuwirft.

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Irgendwann in der Nacht öffnet Fadrina die Fenster, die Kirchenglocken läuten, die Gäste halten ein gefülltes Glas in der Hand und prosten sich zu, nur Bodesurri, Lumpazi und ich schütteln verständnislos den Kopf. „Happy Silvester!“, „Ein gutes Neues Jahr!“, „Neujahr“, rufen alle durcheinander, so laut, dass ich mich Richtung Kachelofen verziehe. Ich weiss nicht genau, was diese Worte bedeuten, aber sie klingen, als wäre es etwas Gutes.

Somit beginnt das neue Jahr entspannter als alles, was Fippo und Fadrina bisher miteinander erlebt haben. Ob das so bleiben wird? Sie erfahren es bald hier – auf Wiederlesen und nur das Beste im 2022!

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