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Teil 12 - Fippo wird schon wieder gesucht

«Das darf nicht wahr sein!», schreit Fadrina und rennt Fippo hinterher. «Fippo, bleib! Hier! Fippo!» Aber Fippo saust wie ein Windhund-Champion Richtung Gasse, biegt auf dem Eis so scharf um die Kurve, dass er einen kleinen Moment ins Schlingern gerät und verschwindet in der Dunkelheit. «Fippo!» - Die messerscharfe Winterluft scheint Fadrinas Schrei zu verschlucken. Sie gibt Gas, nimmt die gleiche Kurve wie Fippo vorher –  und stürzt. Hart schlägt ihr linkes Knie auf dem vereisten Boden auf «Aua!».

«Was ist denn los, spinnt ihr jetzt beide, huara Siach?» - Aus dem Nichts ist Riet aufgetaucht, er hilft Fadrina auf die Beine, hält sie einen Moment umschlungen.

«Was hat dein Hund? Wieso rennt er weg, als wäre der Teufel hinter ihm her?»

 «Schiss! Wegen dir! Es ist nur wegen dir!»

Riet versteht die Welt nicht mehr: «Wieso wegen mir? Ich habe doch gar nichts getan?» Er klemmt sich eine blonde Locke hinters Ohr, zieht seine Wollkappe tiefer ins Gesicht.

«Ja, begreifst du denn nicht?» Fadrina versucht vorsichtig, das linke Bein zu belasten. Ein «Autsch!» entfährt ihr. «Pass uf!» Riet drückt sie enger an sich, wogegen sie sich heftig wehrt. Die Zeit drängt. Fippos Abstand darf nicht zu gross werden.

«Fippo hat sich an dich erinnert! Wegen dir ist er doch überhaupt abgehauen! Komm, wir müssen ihm hinterher!» Sie tritt mit den linken Fuss auf, nur, um wieder «Aua!» zu rufen.

«Du bleibst hier», bestimmt Riet und spurtet los.

«Nein, auf keinen Fall. Vor dir haut er erst recht ab und dann fährt er mit dem Zug wieder durch die halbe Schweiz!» Fadrina versucht mühsam Schritt zu halten. «Fippo!» - Wieder hallt das O durch die Nacht und stirbt dann ab. O-o-o. Stille. «Ich habe vor allem keine Ahnung, in welche Richtung er gerannt ist!» Fadrina spürt die Tränen aufsteigen. «Es hatte so schön begonnen. Du hättest sehen sollen, wie er die Fahrt im Postauto genoss. Als wäre er keinen einzigen Tag weggewesen.» Sie schluckt. «Was tun wir jetzt?», fragt sie und schaut Riet an. Der hält schon sein Handy ans Ohr. «Ich mache mal Meldung bei der Polizei, vielleicht hat schon jemand angerufen, weil ein Hund durchs Dorf streunt».

Fadrina reibt sich das Knie. Sie könnte sich selber links und rechts ohrfeigen, dass sie Fippo nicht an die Leine genommen hat. Jetzt ist die ganze schöne Wiedersehensfreude dahin. In Gedanken sieht sie schon viele unzählige weitere Monate ohne Fippo. «Das halte ich nicht aus!», flüstert sie vor sich hin. «Was?», fragt Riet und steckt sein Handy in die Jackentasche. «Wieder ohne Fippo zu sein», sagt sie. «Jetzt male doch nicht gleich Dunkelschwarz!» Riet küsst sie auf die Nasenspitze. «Überleg mal: Wohin könnte er gerannt sein?» - «Das letzte Mal rannte er direkt ins Posti und von dort aus in den Zug in Scuol.» - «Vielleicht sollten wir zum Busdepot? Komm!» Riet fasst nach Fadrinas Hand und zieht sie mit sich. Inzwischen schmerzt das Knie deutlich weniger.

Riet sieht es zuerst: «Da! Frische Pfotenspuren im Schnee!» Er holt wieder sein Handy hervor, macht die Taschenlampe an. Ein warmer Lichtstrahl beleuchtet die feine Schneeschicht vor ihnen auf dem Boden, und – tatsächlich: «Da sind Spuren!» Fadrina schreit es fast. Wie Spürhunde nehmen sie die Verfolgung auf. Fippo ist hinter dem Nachbarhaus abgebogen, dann zurück auf die Hauptgasse, dann alles geradeaus. Riet zündet mit der Lampe auf den Boden, Fadrina beschleunigt ihre Schritte, ihr Herz klopft immer schneller und aufgeregter. «Fippo», ruft sie zwischendurch mit schmeichelnder Stimme, aber kein Laut ist zu hören, kein Hecheln, erst recht kein Bellen. Nichts, nichts, nichts.

Beim Brunnen auf dem Dorfplatz hätten sie Fippos Spur beinahe verloren. Dort scheinen sich vor Kurzem mehrere Hunde getroffen zu haben, unmöglich, die Pfotenabdrücke zuzuordnen. Sie entscheiden sich für eine Spur, die vom Brunnen dorfaufwärts führt. Parallel dazu sind weitere Pfoten im Schnee zu sehen, kleinere. «Bestimmt von einer Katze», denkt Fadrina. Ob es Lumpazi war, ihr eigener Kater? Waren die beiden wohl gemeinsam im Dorf unterwegs?

Die Spur führt am Schulhaus vorbei, an der Schreinerei von Franco, am Volg. Dann sind viele Abdrücke an Ort und Stelle zu sehen, als hätte Fippo hier eine Pause eingelegt und Pläne geschmiedet. «Und nun?», fragt Fadrina. Riet ist mit seinem leuchtenden Handy schon ein Stück weiter: «Ich glaube, hier», ruft er ihr über die Schulter zu, und sie erstarrt. Es ist die Richtung zur Bahnhofsunterführung. Nur das nicht, sagt sich Fadrina innerlich, nur nicht wieder mit der RhB für unbestimmte Zeit ins Unterland.

Ihr Atem geht schneller, als sie Riet Richtung Unterführung folgt. Plötzlich hält er so abrupt an, dass sie beinahe in ihn geprallt wäre. «Schau, hier hat er plötzlich abgedreht, eine 90-Grad-Kehrtwende», und sie hätte vor Erleichterung beinahe aufgelacht. Sie knipst die Taschenlampe am eigenen Handy an und geht nun voraus, Pfotenabdruck um Pfotenabdruck.

Merkwürdig. Sie stutzt. Geht schneller. Die Abdrücke sind ganz deutlich zu sehen. Daneben, etwas undeutlicher, die kleineren Katerpfoten. Fadrina kennt die Richtung. Ob Fippo ... – Sie wagt nicht, den Gedanken fertig zu denken, geschweige denn, ihn auszusprechen. Vor Aufregung atmet sie scharf aus, ihr Atem steigt als weisse Wolke empor. Irgendwann ist Riet anscheinend zum selben Ergebnis gekommen: «Fadrina, weisst du, was ich glaube?» Sie nickt. «Ich glaube es auch, aber ...»

Noch zwei Abbiegungen. Noch zweimal den Atem anhalten. Noch zweimal bibbern. Und beide Mal eine grenzenlose Erleichterung. «Bleib da stehen!» Fadrina klopft Riet spielerisch auf die Brust, stellt die Taschenlampe aus, verlangsamt ihre Schritte, biegt um die Ecke, als würde sie auf rohen Eiern gehen. Und da sieht sie sie, alle beide. Fippo, der in ihrem Gärtchen ein beachtliches Loch scharrt, beobachtet von Lumpazi, der wie immer auf seinem Aussichtsposten auf dem Mäuerchen thront und Fadrina anschaut mit einem Blick aus einer Mischung von Stolz und Triumph. Fippo hingegen merkt nichts, er scharrt und scharrt, und erst als Fadrina ganz nah hinter ihm steht und leise «Hey, Fippo» sagt, hält er mitten in der Bewegung inne, jault los und springt dann an ihr hoch, als sei sie von einer dreijährigen Weltreise zurückgekehrt. Sie streichelt und herzt ihren Ausreisserhund, greift nach dem Halsband und lässt es keine Sekunde mehr los.

Die Erleichterung ist gross. Nur: Ein Problem bleibt. Wie kann Fadrina Fippo verständlich machen, dass Riet Freund und kein Feind ist? Wird sie sich zwischen den beiden entscheiden müssen? Es bleibt aufregend. Wie aufregend, erfahren Sie bald – wie immer – hier. Auf Wiederlesen!

1 Antwort

Edith

Edith

März 24, 2022

jetzt habe ich als “Quereinsteigerin” begonnen die Abenteuer von Fippo mit zu verfolgen.
“Huere siech” :-D Man erkennt sich in einigem wieder :-)
Freue mich auf weiteres Daumenhoch :)

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